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Geschichtliche Entwicklung des Varieté von den Ursprüngen bis in die Gegenwart.

Varieté bzw. Varietétheater ( théâtre des variétés, aus: théâtre -Theater- und variété -Abwechslung, bunte Vielfalt-) ist eine Bühne mit wechselndem, Unterhaltungprogramm mit artistischen, tänzerischen und musikalischen Auftritten. Im britischen Sprachgebiet nannte man diese Veranstaltungen Music-Halls.
Das Varieté ist mit dem Theater und dem Zirkus verwandt. Letzerer hatte seinen Ursprung in Kombination mit Pferden, während das Varieté mehr auf Unterhaltung und Geselligkeit angelegt war. Zudem unterscheidet es sich von Theater und Zirkus durch die starke Verbindung mit der Gastronomie, die lange bestimmend war und auch heute mit den Dinnershows häufig auffällt.

Pariser Varieté

Die ersten Varietés, die im 19. Jahrhundert aus öffentlichen Tanzsälen hervorgegangen sind, präsentierten Einzeldarbietungen (wegen der laufenden Nummer im Programmheft “Nummer” genannt) mit Artisten wie Kraftmenschen, Magiern, Löwenbändigern, Akrobaten, mit Groteskenpantomimen, Elefantendressuren, Abnormitätenschauen und Ringkämpfen. In Pariser Varietés, einer Welt der kurzen Röcke und der langen Beine, fanden sich in den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts auch die Anfänge nackten Showtanzes als eine Varieté-Nummer. Deren Erfolgsgeheimnis bestand im Cancan, der bis heute im Moulin Rouge am Montmatre, im Lido  und in den Folies Bergére gezeigt wird.
Damals war dieser Tanz die sexuelle Sensation schlechthin, mit dem die Wäscherinnen ihr bescheidenes Honorar aufbesserten, in dem sie ihre Rüschenunterhosen weg liessen. Die Tänzerinnen trugen mehrere Lagen weisser Spitzenröcke, in denen bis zu zwölf Meter Stoff verarbeitet waren, unter der weissen Spitze oft blickdichte schwarze und Strumpfhalter, um die Form und Länge des Beines zu betonen. Die Tradition verlangte es, dass ein paar Zentimeter Haut unterhalb der Spitze und oberhalb des Strumpfes gezeigt wurden. Dieser schmale Streifen liess den Tanz zu einer erotischen Zeremonie werden. Nicht nur die Schönheit war gefragt, sondern akrobatisches Talent. Varietétheater erkannten die sexuelle Explosivität, die dem Cancan innewohnte und holten diesen in ihre Häuser, um ihn zu kultivieren.
Mit der Eröffnung des Moulin Rouge avancierte Paris zur erotischen Hauptstadt Europas und die Tanzlokale, wo die Frauen bisher zu ihrem eigenen Vergnügen den Cancan getanzt hatten, wurden nicht nur zum Kunstgenuss von ganz Paris, sondern bestimmten für die nächsten fünfzig Jahre weltweit die Entwicklung des erotischen Tanzes. In den erotischen Zügen der Programme drückte sich eine gesellschaftliche Entwicklung aus, das “öffentliche Zeigen der Nacktheit”, denn die Direktoren der Varietétheater waren sich der unwiderstehlichen Anziehungskraft des unbedeckten oder nur leicht verhüllten Körpers wohl bewusst.

Deutschsprachige Varietés

Der Name Varieté stand in  Ende des 19. Jahrhunderts für Bühnen der leichten Unterhaltung auf. In allen grösseren Städten gab es zahlreiche Bühnen, die sehr beliebt waren und bis ca. 1930 grossen Erfolg hatten.
Das deutschsprachige Varieté der damaligen Zeit verfügte über einen intensiven Austausch an Artisten und Komikern zwischen den Städten Berlin, Wien und Budapest, das damals fast zur Hälfte deutschsprachig war. Insbesondere aus Budapest kamen viele Komiker, die in Wien und Berlin besonders erfolgreich waren.

Ab 1960 gab es durch das Fernsehen ein Circus- und Varietésterben. So war in Westdeutschland zuletzt nur noch das Hamburger Hansa-Theater übrig, das monatlich wechselnden klassischen Varieté-Programme mit dem Motto “Nie im Fernsehen bewarb”. In der DDR bestanden einige Varietébühnen (Friedrichstadtpalast Berlin, Steintor-Varieté Halle) unter staatlicher Leitung weiter.

1988 gründete Johny Klinke in Frankfurt den “Tigerpalast”. In der Folge setzte eine Renaissance ein, die zu zahlreichen Neugründungen führte und heute eine breite Vielfalt artistisch betonter Varietés anbietet.

Aktualisiert am 4.10.2012